Fes

Fes hat eine sehr schöne Medina und einen Platz. Dort haben wir 2010 Künstler gesehen. Von den lokalen Händlern wusste im letzten Jahr niemand von den Künstlern. Aber der Akrobat Husain aus Meknes meinte, es gibt sie dort auch. Deswegen wollen wir dieses Jahr nochmal auf den Platz und länger bleiben. Mustafa, der Musiker, sagte zuvor die Gnaui in Fes sind zu faul den Platz zu bespielen. Moment mal – er muss doch was anderes gesagt haben, er spricht doch kein deutsch. Lange Rede – kurzer Sinn. Wir warten in Fes bis zum Abend auf dem Platz und keiner taucht auf. Doch einer – aus unseren Reihen – er greift zur Ukulele und spielt. Die Musik lockt Kinder an, die tanzen und einige Menschen bleiben stehen und lauschen, einige machen Fotos. Unsere Kunst wirkt und ist universell. Doch ist es jetzt nicht unser Bestreben eine Halqua (einen Kreis) zu veranstalten. Wir belassen es bei einigen Liedern und enden. Wieso ist der Platz nicht mehr bespielt – sind die Gnaoui in Fes vielleicht wirklich zu faul? Uns ist auch bei diesem Besuch wieder eine Gruppe Musiker in der Medina begegnet – quasi als Walk-Act. Ein kurzer Eindruck, sammeln und weiterziehen. Nichts für diejenigen, die hungrig sind und mehr sehen und hören wollen – oder doch, denn es reicht um die Sehnsucht zu wecken. Unser kurzes Erlebnis auf dem Platz zeigt, es wäre möglich.

Was braucht es um einen Platz zu bespielen? Tatsächlich die Menschen, die bereit sind ihn zu bespielen und das regelmäßig – ob jeden Tag, jedes Wochenende und zu einer festen Zeit*. Der Platz in Fes ist durch den Umbau architektonisch abgeteilt vom Rest – die durchgehende Straße die vorher über einen gesamten Platz fuhr teilt den Platz nun ab von der Altstadt – der andere kleinere Teil ist integriert und bietet mit Sitzmöglichkeiten und Treppen ein Entree – aber nicht Platz für spontane Kreise. Dennoch die paar Reaktionen auf die Musik lassen schließen, dass es möglich wäre, wenn es Menschen tun würden. Ob es unerwünscht ist? Die Security (Polizei & Militär) ist wie überall präsent und läuft vorbei – anscheinend kein Handlungsbedarf. Vermutlich auch nicht, wenn länger gespielt würde und ein Kreis gesammelt – aber wer weiß. Dann ist es noch ein Unterschied, wer spielt – einheimische oder reisende – was sich so oder so auswirken kann – aber wer weiß. Ein Indiz für einen nicht mehr bespielten Platz ist, dass niemand spontan ein paar Dirham für die Musik raus geholt hat. Oder ein Indiz für das reichere Publikum dort, dass nicht mehr weiß, wie das geht. Keine Unterhaltung für die Armen vorhanden, keine mobilen Stände, die erst abends aufbauen und aber auch keine gemeinsamen Erlebnisse – nur heute ganz kurz für ein paar Lieder.

Fotos: Fes: Neugestalteter vorderer Platzbereich 1 – großer Platz andere Straßenseite – „Flohmarkt“-Platz neben 1 / Platz im Abendlicht / Eindrücke aus der Medina

*Das Bespielen eines Platzes und eines Kreises erfordert tatsächlich mehr Aufwand und mehr Einsatz als ein kurzer Walk-Act, das Spielen von Restaurants oder Ampel (haben wir in Marokko bisher nicht gesehen). Es reicht nicht nur einen oder zwei Tricks zu zeigen, Der Kreis sammelnde geht in Interaktion mit dem Publikum. Teils durch einzelne Ansprache, bis sich genügend Menschen versammelt haben, einen Kreis aufgebaut hat, der andere durch ihre Neugier anzieht. Und dann immer und immer wieder wird das Publikum direkt angesprochen und mit einbezogen – kontinuierlich. Das ist das eigentliche Können. Dafür ergeben sich auch ganz andere Spielmöglichkeiten als nur ein oder zwei Tricks zu zeigen oder Songs zu spielen. Aber das ist Arbeit und um einen Platz als Spielort aufrecht zu erhalten, muss es Menschen vor Ort geben, die das machen – auch wenn es mal nicht so voll ist, die Wolken vorm Himmel hängen, die Sonne zu heiß…. Was auch immer gerade sein kann, ob es nun Covent Garden in London, Place Lakhim in Meknes oder der Djemna El Fna in Marrakech – ohne die Menschen, die ihn bespielen, sind es manchmal einfach nur Plätze.

Ähnliche Beiträge