Meknes

Meknes ist fast jedes Mal wieder ein Glücksspiel – regnet es am Abend oder nicht. Die ersten beiden Abende sind zu nass für Spektakel auf dem Platz. Eigentlich zieht es uns schon weiter, doch spontan entscheiden wir am Mittwoch noch zu bleiben und dann auch noch am Donnerstag. Das 2.Dilemma spielen wir mit den Akrobaten, die wir letztes Jahr kennen gelernt haben – an dem Abend, wo die Musiker nicht da waren – oder mit den Musikern, die wir schon seit 2010 kennen. Wir haben am Ende in beiden Halquas gespielt. Um beim Dilemma zu bleiben und kulturellen Unterschieden und Werte-Entscheidungen: Eigentlich geben wir bettelnden* Kindern nichts. Wenn nun aber diese Kinder (wahrscheinlich zu jung um rechnen zu können) uns freudestrahlend ihre Dirhams nach der Show in die Hände drücken… zeigt das – was in Europa manchmal vergessen wird – das Geben ist hier Teil der Kultur und wenn einem etwas in der Halqua (im Kreis) gefällt, gibt jeder der mag und kann etwas dazu. Und wir kommen am Ende des Abends mit 2 überteuerten Luftballons von eben jenen Kindern zurück zum Parkplatz. War es nun zu viel oder nicht – die Augen der Verkaufenden haben gestrahlt.

Fotos: Husain & Abdulrani / Bab Manour / Hepajo / Lucy mit Musikern

* Betteln heißt in diesem Kontext nicht betteln – sondern sie verkaufen Kleinigkeiten – meistens Taschentuchpackungen oder auf dem Djemna El Fna oft Kekse. Woher sie ihre Waren beziehen, wissen wir nicht. Wenn sie nichts verkaufen, betteln sie auch – die Grenzen sind fließend. Es macht einen Unterschied, ob ich jemanden eine Ware abkaufe oder nur einen Almosen gebe. Im Selbstbild des Menschen und auch in der Wahrnehmung des Kaufenden. Nochmal im Unterschied dazu aber die Almosen an Menschen, die aufgrund ihres Alters und/oder körperlicher Einschränkungen nicht am üblichen Erwerbsleben teilnehmen können. Hier sind Gaben angebracht. Zu den Säulen des Islams gehört die Wohltätigkeit dazu und so ist es üblich, diesen ein oder zwei Dirham zuzustecken.

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